Verschiedene Schulmodelle

Staatliche Regelschulen

Das Lehren von Rechnen, Schreiben und Lesen ist zunächst einmal Aufgabe der staatlichen Regelschule und obliegt den Grundschulen.

Tatsächlich gibt es Empfehlungen der Kultusministerkonferenz, die in Grundsätzen zur schulischen Förderung bei Legasthenie münden.

Konkrete Maßnahmen sind jedoch Sache der Länder, weshalb es in den einzelnen Bundesländern auch jeweils unterschiedliche Erlasse und Maßnahmen gibt.

Im Idealfall werden die durch eine Legasthenie oder Dyskalkulie auftretenden Störungen erkannt und auch in der Schule entsprechend abgefedert.

Das setzt indes entsprechend ausgebildete Lehrer sowie vorhandene Förderhilfen und -maßnahmen voraus, die ebenfalls je nach Bundesland variieren. Im Idealfall werden legasthene und dyskalkule Kinder innerhalb des Klassenverbands gefördert.

Dies geschieht durch die Einrichtung von Fördergruppen, die zusätzlich zum Unterricht abgehalten werden, um die Lernsituation der betreffenden Kinder zu entlasten und eine Anbindung an den regulären Unterricht sicherzustellen.

Montessoripädagogik nach Maria Montessori

Die Besonderheiten von Montessori – Schulen
Die Montessoripädagogik geht zurück auf Maria Montessori, die aus einer großbürgerlichen italienischen Familie stammt, als erste Frau den medizinischen Doktortitel erwarb und auch als Ärztin arbeitete. Ihr pädagogisches Bildungskonzept entwickelte sie ab 1907 mit der Gründung des
ersten Montessori-Kinderhauses in Rom. Montessori-Schulen gibt es weltweit.

In Deutschland befinden sie sich in städtischer, kirchlicher oder privater Trägerschaft, wobei letztgenannte an Schulgeld gebunden ist. In Montessori-Schulen sind die Richtlinien und Lehrpläne für alle Schulen gleichermaßen verbindlich, sie unterscheiden sich indes durch den Weg, diese Ziele zu erreichen.

Montessori-Schulen gibt es als Grundschulen und, sofern vorhanden, auch als weiterführende Schulen. Jedes Kind, das in eine staatliche Grundschule eingeschult werden kann, kann auch eine Montessori-Schule besuchen.

Das Leitbild der Montessoripädagogik
Die Montessoripädagogik umfasst die Zeit vom Kleinkind bis zum jungen Erwachsenen, in der Kinder und Jugendliche als Baumeister der eigenen Persönlichkeit angesehen werden, unterstützt durch didaktische Techniken, die den Lernprozess maximal fördern. Das Leitbild der Montessoripädagogik beschäftigt sich mit den Bedürfnissen des Kindes oder Jugendlichen in der jeweiligen Entwicklungsphase und bezieht sich auf den sozial-emotionalen, auf den kognitiven und auf den senso-motorischen Bereich mit dem Ziel, für jedes Kind adäquate Entwicklungsmöglichkeiten anzubieten.

Dieses Credo gilt gleichermaßen auch für Kinder mit legasthenem und dyskalkulem Hintergrund, auch wenn sie mehr Klarheit, mehr Geduld, mehr Verständnis, mehr Anerkennung, mehr Unterstützung und mehr Zuwendung benötigen.

Die Prinzipien der Montessoripädagogik
Ein wesentliches Prinzip der Montessoripädagogik ist, das Kind als eigenständige Persönlichkeit in seiner Gesamtheit zu achten. Dabei wird ein Kind in der Entwicklung seines freien Willens und in seiner Entscheidungsfähigkeit unterstützt. Beim Lernen folgt ds Kind seinem eigenen Lernbedürfnis
unter Berücksichtigung sensibler Phasen, die besagen dass das Kind zu einer bestimmten Zeit etwas ganz Bestimmtes lernen möchte. Diese Freiarbeit ist das Kernstück der Montessoripädagogik, die durch den Erzieher unterstützt wird, der beispielsweise den Umgang mit den Montessori-Materialien erklärt.

Das Kind entscheidet nicht nur, womit es sich beschäftigen möchte, sondern über die Dauer der Beschäftigung und den Arbeitsrhythmus sowie darüber, ob es allein oder mit einem oder mehreren Partnern zusammen arbeitet. Tatsächlich wirkt sich die Freiarbeit harmonisierend, beruhigend und entspannend auf die gesamte Gesamtsituation aus. Die Kinder sind in Montessori-Einrichtungen keinem Leistungsdruck ausgesetzt. Sie konzentrieren sich auf die Entwicklung ihrer Interessengebiete und ihrer Persönlichkeit und stärken ihr Selbstbewusstsein sowie ihre Selbstständigkeit.

Waldorfpädagogik – umstritten und doch erfolgreich

Die Waldorfpädagogik geht zurück auf die von Rudolf Steiner (1861 – 1925) begründete Anthroposophie. Freie Waldorfschulen sind in Deutschland Ersatzschulen, die staatlich anerkannt und in freier Trägerschaft sind.

Die Waldorfpädagogik findet neben Waldorfschulen auch Eingang in Waldorfkindergärten sowie Einrichtungen der anthroposophischen Heilpädagogik. Waldorfschulen finden sich in Europa, hier insbesondere in den Niederlanden, und auch in den USA.

Die Prinzipien der WaldorfpädagogikRudolf Steiner gründet 1919 die erste Waldorfschule in Stuttgart mit dem Ziel, das Prinzip sozialer Gerechtigkeit unabhängig von der sozialen Herkunft im Bildungswesen zu verwirklichen. Umgesetzt wird dieses Prinzip dadurch, dass das mit dem Regelschulsystem verbundene Prinzip der Auslese durch eine Pädagogik ersetzt wird, die auf die Förderung des Einzelnen abzielt.

Aus Steiners anthroposophischer Auffassung resultiert die Dreigliedrigkeit des Menschen, woraus sich das Prinzip der gleichberechtigten Förderung im Denken, Fühlen und Wollen ergibt, was durch die Ausbildung der intellektuell-kognitiven, der künstlerisch-kreativen und der handwerklich-praktischen Fähigkeiten sichergestellt wird. Kinder, die aufgrund einer individuellen Förderung einen vermehrten Assistenzbedarf benötigen, sind ebenfalls eine wichtige Säule innerhalb der Waldorfpädagogik.

Das betrifft gleichermaßen Kinder mit Legasthenie und/oder Dyskalkulie, die entweder in Waldorfschulen mit einem entsprechenden inkludierten Konzept oder in heilpädagogischen Förderschulen betreut werden.

Die Merkmale der WaldorfpädagogikDer Lehrplan der Waldorfschulen und die Unterrichtsinhalte sind abgestimmt auf die Lernprozesse im Kindesalter sowie auf die Stufen menschlicher Entfaltung in Kindheit und Jugend. Insgesamt durchlaufen die Schülerinnen und Schüler zwölf Schuljahre, in denen es kein Sitzenbleiben und kein Zensurensystem gibt.

Vom ersten Schuljahr an werden die sachbezogenen Unterrichtsgebiete von künstlerischem Unterricht begleitet, der die schöpferischen Fähigkeiten entwickelt und Erlebniskräfte fördert.

Eine weitere Spezialität von Waldorfschulen ist der Epochenunterricht, der die ökonomische Gestaltung des Unterrichts unterstreicht und in den Fächern abgehalten wird, die sich einteilen lassen in einzelne, in sich geschlossene Sachgebiete.

Das gilt insbesondere für die Naturwissenschaften, Deutsch, Mathematik und Geschichte. Die Zeugnisse bestehen aus detaillierten Charakterisierungen und Darstellungen, die die Leistung sowie die Leistungsfortschritte und die Begabung transparent beschreiben. Abgeschlossen wird die Schule mit Mittlerer Reife, Fachschulreife oder dem Abitur.

Selbstverwaltung und FinanzierungDie Selbstverwaltung einer Waldorfschule erfolgt durch Eltern und Lehrer gemeinsam, wobei die pädagogische Leitung durch alle Lehrer gleichberechtigt in der einmal wöchentlich stattfindenden Lehrerkonferenz wahrgenommen wird.

Zwar erhalten Waldorfschulen in Deutschland staatliche Zuschüsse, die die Kosten jedoch nur teilweise decken, weshalb an Waldorfschulen Elternbeiträge erhoben werden, die je nach Einkommen gestaffelt sind.

Wer sich für eine Waldorfschule interessiert, sollte sich die jeweilige Einrichtung genau ansehen, sich über die Vorgehensweise und die Lehrinhalte informieren und Gespräche mit den Lehrenden führen, auch im Rahmen regelmäßig stattfindender öffentlicher Veranstaltungen.

Private Schulen – nicht nur für Kinder mit Lernschwächen

Bei Privatschulen kommt es maßgeblich auf deren Ausgestaltung an.

Einige bieten besondere pädagogische Konzepte sowie eine qualifizierte Betreuung und Förderung von Kindern mit Legasthenie und Dyskalkulie mit einem entsprechend ausgebildeten Fachpersonal.

Die meisten Kinder haben bei ihrer Aufnahme bereits einen längeren schulischen Leidensweg hinter sich, basierend auf unerfreulichen und demotivierenden Erfahrungen.

Hier finden sich die Kinder wieder, die Probleme mit dem staatlichen Schulsystem haben.

Dazu können auch hochbegabte Kinder gehören ebenso wie Kinder mit verschiedenen Krankheiten, mit Verhaltensauffälligkeiten oder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf.