Die Optometrie und ihre Verbindung zu Legasthenie und Dyskalkulie

Die Optometrie ist die Lehre vom „Sichtbaren“, mit deren Hilfe Messungen durchgeführt und Sehfunktionen bewertet werden. Sie beschäftigt sich mit der Korrektur von Fehlsichtigkeiten und umfasst die physikalische sowie die biologische Optik als Ergänzung zur monokularen Augenoptik.

Die Ausbildung zum Optometristen ist eine universitäre und kann in Deutschland an mehreren Fachhochschulen im Rahmen eines ersten berufsqualifizierenden Abschlusses als Bachelor of Science-Studiengang erworben werden. Der Schwerpunkt der Optometrie liegt auf dem beidäugigen Sehen, dem sogenannten Binokularsehen.

Insoweit beschäftigt sich die Optometrie mit Fachgebieten, die der Strabologie im Speziellen und der Augenheilkunde im Allgemeinen zugeordnet werden. Zu den in der Optometrie überprüften Sehfunktionen gehören im Zusammenhang mit Dyskalkulie und Legasthenie unter anderem die Blick-Motorik, die Auge-Hand-Koordination, die Adaptation, die Akkomodation, das Auflösungsvermögen und die Iris-Motorik sowie die Sehschärfe und die Kontrast-Wahrnehmung.

Anstrengungsprobleme und subjektive Sehunruhe

Menschen sind im Allgemeinen in der Lage, kleinere Fehlsichtigkeiten auszugleichen. Diese Fähigkeit zu kompensieren ist jedoch bei Kindern mit Legasthenie oder Dyskalkulie in geringerem Maße vorhanden. Vor allem beim Lesen und Lesen lernen ist eine uneingeschränkte Wahrnehmung besonders wichtig, um sich Wortbilder einprägen zu können. In diesem Zusammenhang lassen sich vor allem zwei Gruppen unterscheiden, nämlich Kinder mit Anstrengungsproblemen und solche mit einer subjektiven Sehunruhe. Anzeichen für Anstrengung sind bei genauer Beobachtung sichtbar, während die subjektive Sehunruhe einem Kind regelmäßig nicht anzusehen ist. Denn die Sehunruhe ist Ausdruck von sensorischen Vorgängen, die aufgrund der Verarbeitung von Reizen im Gehirn entstehen. Anders verhält es sich bei Anstrengungsproblemen, die eine direkte Verbindung zur Muskelkraft aufweisen.

Anzeichen für Anstrengungsprobleme

Typische Anzeichen für Anstrengungsprobleme sind unter anderem häufiges Augenreiben, Stirnrunzeln oder Blinzeln, was mit Kopfschmerzen einhergehen kann. Das Kind leidet vermehrt unter brennenden oder tränenden Augen und zeigt bei verschiedenen Aktivitäten schnell Ermüdungserscheinungen und schläft manchmal beim Lesen auch ein.

Das geht einher mit einer erhöhten Lichtempfindlichkeit, sodass das Kind bevorzugt im Schatten spielt. Außerdem ist es meist wenig daran interessiert zu malen oder zu basteln, zu puzzeln oder gar mit der Schere Papier oder Karton auszuschneiden.

Merkmale für eine Sehunruhe

Auch wenn die Sehunruhe eigentlich für Dritte nicht oder kaum wahrnehmbar ist, so gibt es doch gewisse Merkmale, die auf eine Sehunruhe hindeuten können. Kinder mit einer Sehunruhe lesen häufig ineffizient. Das bedeutet sie lesen entweder sehr mühsam und langsam oder sehr flüchtig und deshalb fehlerhaft.

Auffällig ist ihre Kopfhaltung beim Lesen, wobei die Nasenspitze fast das Buch oder Heft berührt. Häufig verrutschen sie beim Lesen in der Zeile, können die Schrift nur schlecht erkennen oder sehen sie sogar doppelt. Kinder mit einer Sehunruhe haben Schwierigkeiten beim Blickwechsel von Nah auf Fern und umgekehrt. Auch das Lesen von Buchstabengruppen oder langen Wörtern gestaltet sich schwierig, was gleichermaßen für das Lesen mit weißem Hintergrund aufgrund des starken Kontrasts gilt.

Auch beim Schreiben lassen sich Hinweise auf Sehprobleme finden. Wenn das Kind beispielsweise Linien nicht einhalten kann oder auffällig unregelmäßige Zwischenräume zwischen den Wörtern lässt und beim Abschreiben von einer Vorlage viele Fehler macht. Die Sehprobleme gehen oftmals einher mit einer ungeschickten oder wenig koordinierten Feinmotorik, was sich durch häufiges Stolpern äußert sowie durch Probleme beim Fangen eines Balls.