Orthoptistin – der Gesundheitsfachberuf und sein Nutzen für Menschen mit Legasthenie und

Eine Orthoptistin ist eine mit staatlicher Anerkennung und nach einer Berufsordnung ausgebildete Fachkraft in der Augenheilkunde, die präventiv, diagnostisch und therapeutisch tätig ist.

Das Berufsbild des Orthoptisten hat seine Wurzeln in Großbritannien und ist in Deutschland vergleichsweise jung, wo es in den 1950ger Jahren entstand, und hat für Menschen mit Lese-, Schreib- und Rechenstörungen eine besondere Bedeutung.

Die Verbindung zwischen Orthoptik, Auge und Legasthenie

Die Orthoptistin gehört auch zu dem qualifizierten Fachpersonal, das bei der Diagnose und Therapie von Legasthenie und Dyskalkulie im Bereich der Wahrnehmungsstörungen wertvolle Dienste leistet. Denn sie klärt mit Hilfe verschiedener Untersuchungen, ob die auftretenden Störungen beim Lesen, Schreiben und Rechnen durch Störungen des ein- oder beidäugigen Sehens hervorgerufen oder verstärkt werden.

Dadurch erfolgt eine eindeutige Abgrenzung, denn eine echte Legasthenie wird nicht durch Sehstörungen hervorgerufen und kann deshalb auch nicht mittels einer Sehhilfe korrigiert werden.

Allerdings kann eine Sehhilfe vor allem für legasthene oder dyskalkule Kinder eine deutliche Hilfe sein entspannter zu sehen und sich besser zu konzentrieren.

Es gibt zwei wesentliche Voraussetzungen für beschwerdefreies Lesen, die bedingt sind durch die Leistungen des Gehirns, das die Augen durch zwei Einstellungen miteinander koordinieren muss. Das ist einmal die Naheinstellung der Augenlinsen beim Lesen auf den richtigen Abstand und zum zweiten die Parallelstellung der Augen während des Lesens.

Im Normalfall funktioniert die Naheinstellung der Augenlinse aufgrund ihrer Elastizität bei Kindern problemlos. Bei Kindern ohne Beschwerden und ohne Störungen muss im Falle geringer Weitsichtigkeit nicht unbedingt eine Brille verordnet werden.

Anders verhält es sich bei Kindern mit Wahrnehmungsstörungen, bei denen eine Korrektur einer auch nur geringen Fehlsichtigkeit eine erhebliche Verbesserung bringen kann. Denn durch die verringerte Anstrengung bei der Naheinstellung der Augenlinsen können sich die betroffenen Kinder besser auf Schreiben, Lesen und Rechnen konzentrieren. Ein Augenbefund kann also ein verstärkender Faktor im Zusammenhang mit legasthenen und dyskalkulen Störungen sein.

Um ein eindeutiges Ergebnis zu erhalten prüft die Orthoptistin die Naheinstellung und den Parallelstand der Augen sowohl unter natürlichen Alltagsbedingungen als auch unter erhöhter Belastung.

Die Einsatzbereiche einer Orthoptistin

Die Einsatzbereiche einer Orthoptistin sind dementsprechend vielfältig.

Sie arbeitet beispielsweise in orthoptischen Einrichtungen an universitären Augenkliniken, an neurologischen Kliniken, in allgemeinen Krankenhäusern oder bei niedergelassenen Augenärzten. Orthoptisten findet man auch in Rehabilitationseinrichtungen, in Frühförderstellen oder Sonderschulen sowie in Einrichtungen für Sehbehinderte und Blinde.

Dementsprechend vielfältig sind auch die Ausbildungsinhalte der drei Jahre dauernden theoretischen und praktischen Ausbildung, die mit einer staatlichen Prüfung abgeschlossen wird. Dazu gehören neben der allgemeinen Anatomie und der Physiologie des Menschen, die allgemeine Krankheitslehre sowie Kinderheilkunde und vor allem die spezielle Anatomie und Physiologie des Auges und seiner Umgebung.