Was Einrichtungen, insbesondere Schulen, tun können

Auch Grundschullehrer fühlen sich bisweilen überfordert, wenn es um Störungen beim Schreiben, Lesen und Rechnen geht. Denn grundlegendes Wissen in Fragen der Diagnostik oder der Therapie gehören nicht zu den Lehrinhalten dieses Studiums. Sobald ein Lehrer erkennt, dass sich ein oder auch mehrere Kinder beim Lesen, Schreiben oder Rechnen schwer tun, sollte er beim Schulleiter zusätzlichen Bedarf an individuellen Fördermaßnahmen anmelden. Deren Inhalte und Umfang sind indes abhängig von den Regelungen des jeweiligen Bundeslandes.

Der Nachteilsausgleich
In einigen Bundesländern gibt es den sogenannten Nachteilsausgleich, der in Anlehnung an Artikel 3 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) bestimmt, dass Lebenssachverhalte von Rechts wegen zu differenzieren sind, sofern sie von ihrem Wesen her ungleich sind. Das bedeutet nichts anderes, als dass objektive Nachteile im Sinne des Gleichheitssatzes ausgeglichen werden müssen, wobei die weitere Ausgestaltung zumeist gesetzlich nicht definiert ist. Regelmäßig beschränkt sich der Nachteilsausgleich nicht allein auf den Unterricht, sondern auch auf Klassenarbeiten und sonstige Leistungsprüfungen. Im Wesentlichen umfasst er drei Bereiche, nämlich die Arbeitszeit, die technischen und didaktisch-methodischen Hilfsmittel sowie die unterschiedliche Gewichtung zugunsten der mündlichen und praktischen Leistungen.

So kann die Arbeitszeit an die individuellen Bedürfnisse eines Kindes angepasst werden in den Situationen, in denen gelesen, geschrieben oder gerechnet werden muss. Das gilt insbesondere hinsichtlich der Verlängerung der Bearbeitungszeit für Kinder mit Legasthenie und/oder Dyskalkulie auch in Prüfungssituationen. Auch wenn der Nachteilsausgleich die tatsächlich vorhandenen Benachteiligungen nicht ausgleichen kann, so können die betroffenen Kinder doch wenigstens ihre Bemühungen hinsichtlich der Lösung der Aufgabe zu zeigen.

Als mögliches technisches Hilfsmittel kommt beispielsweise der Computer als Vorleseprogramm oder auch als Schreibhilfe in Betracht, während sich die didaktisch-methodischen Hilfsmittel auf den Unterricht an sich beziehen. Denn manche legasthene und/oder dyskalkule Kinder realisieren die Verschriftung besser auf dem Computer und andere wiederum können die schriftlich gestellten Aufgaben besser lösen, wenn sie sie zuvor gehört haben.

Der Notenschutz

Unter Notenschutz versteht man im Bereich der Legasthenie und Dyskalkulie, dass den betroffenen Kindern Vorteile eingeräumt werden, die ihnen die Möglichkeit geben ihre Stärken zum Ausdruck zu bringen. Dazu gehört beispielsweise, dass in den Klausuren die Rechtschreibung nicht bewertet wird. Doch der Notenschutz ist nur auf bestimmte Klassenstufen begrenzt und kann beim Wechsel einer Jahrgangsstufe oder spätestens beim Abschlusszeugnis jäh enden. Das bedeutet für die betroffenen Schüler, dass sie aus der Förderung fallen.

Vor diesem Hintergrund ist vor allem problematisch, dass in den wenigsten Bundesländern zwischen einer vorübergehenden und einer dauerhaften Legasthenie beziehungsweise Dyskalkulie unterschieden wird. Stattdessen wird stillschweigend unterstellt, dass eine Lese-Rechtschreib-Störung und/oder Rechenstörung durch eine intensive Förderung behoben werden kann. Und so ist eine Förderung bis zum Abitur in den meisten Bundesländern nicht vorgesehen.

Für die betroffenen Kinder ist das Vorgehen der Länder und das Fehlen einer bundesweiten einheitlichen Regelung eine Katastrophe, denen auf diese Weise die Zukunft verbaut wird. Das bedeutet auch, dass sich viele Eltern von Kindern mit Dyskalkulie und/oder Legasthenie in langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen wiederfinden, in denen sie für die Rechte ihrer Kinder streiten.

Oft liegt die Entscheidung über Fördermaßnahmen in Händen der Lehrer- beziehungsweise Klassenkonferenz, doch nur bundeseinheitliche Regelungen können hier Abhilfe schaffen und für die betroffenen Kinder zufriedenstellende Lösungen bringen.