Primären und sekundären Verhaltensauffälligkeiten

Bei einem von Legasthenie betroffenen Kind kann es auch zu Verhaltensauffälligkeiten kommen, die primär oder auch als Folge der nicht erkannten Legasthenie sekundär auftreten können.

Zu den Verhaltensauffälligkeiten, die primär auftreten können:

  • Allgemeine auditive und visuelle Wahrnehmungsstörungen, die sich durch das Reiben der Augen, durch schlechtes Verstehen und durch schnelles Ermüden äußern
  • Allgemeine verbale Unruhe sowie vermehrter Bewegungsdrang
  • Auffälligkeiten bei der Grobmotorik, die sich in der Feinmotorik fortsetzen sowie eine herabgesetzte Körperkoordination und eine verkrampfte Körperhaltung
  • Aufmerksamkeitsprobleme, die sich in gedanklicher Abwesenheit und leichter Ablenkbarkeit zeigen
  • Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Hausaufgaben, die durch Trödeln und andere Ablenkungsmanöver umgangen werden

Werden die Anzeichen einer Legasthenie übersehen, wird sich das Kind schnell vom Schulbetrieb abgrenzen und Verhaltensauffälligkeiten entwickeln, die als sekundär bezeichnet und die persönliche Entwicklung massiv hemmen können.

Werden trotz intensiver Bemühungen und Hausaufgabenbetreuung durch Eltern, Geschwister oder auch Nachhilfelehrer nur geringe oder kaum Erfolge erzielt, so resultieren daraus häufig Spannungen zwischen den Lehrenden und dem Kind, die wiederum psychische Probleme nach sich ziehen können.

Langfristige Auswirkungen einer ignorierten Legasthenie können unter anderem diese Verhaltensweisen nach sich ziehen:

  • Das Kind fühlt sich unbegabt und dumm, was es kundtut durch „ich kann das nicht“.
  • Angstzustände, nämlich die Angst zu versagen, sich zu blamieren sowie die Angst Freunde und die Liebe der Eltern zu verlieren
  • Aggressives Verhalten
  • Entwickeln von Vermeidungsstrategien, beispielsweise psychosomatische Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen
  • Verhaltensweisen, die Defizite überspielen, sei es als Zappelphilipp oder als Klassenkasper

Häufig sind es gerade diese Verhaltensweisen, die sekundär und nicht primär auftreten, die als Ursache für die Legasthenie angesehen werden und die Eltern veranlassen fachmännische Hilfe zu suchen.