Ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren

Die der Legasthenie zugrunde liegenden Ursachen sind nicht eindeutig belegt.

Wissenschaftliche Untersuchungen in der neurobiologisch orientierten Forschung haben zu neuen Erkenntnissen in Bezug auf die visuelle Wahrnehmung und auditive Wahrnehmung bei Legasthenikern geführt, während die genetische Forschung eine erblich bedingte Disposition als eine von mehreren Ursachen als wahrscheinlich ansieht.

Ein Zusammenspiel dieser verschiedenen Faktoren scheint deshalb ein plausibles Erklärungsmodell für die Ursachen der Legasthenie zu sein:

Eine erblich bedingte Disposition

Wissenschaftliche Untersuchungen in den anglo-amerikanischen Staaten und in Deutschland haben eine familiäre Häufigkeit der Legasthenie nachgewiesen, was allerdings als alleiniger Beweis für eine erblich bedingte Disposition nicht ausreicht.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben auf bestimmten Chromosomen sogenannte Gen-Regionen gefunden, die eine wichtige Funktion bei der Regulierung von zentralnervösen Prozessen spielen und die bei legasthenischen Kindern Veränderungen zeigen.

Eine gestörte zentrale auditive Wahrnehmung

Die auditive Wahrnehmung ist gestört, wenn lautliche Segmente der Sprache nicht unterschieden werden und auch nicht im Gedächtnis gespeichert werden können, was aufgrund neurobiologischer Untersuchungen darauf zurückzuführen ist, dass die für die Unterscheidung von Lauten und Sprachreizen verantwortlichen Regionen des Großhirns bei Legasthenikern weniger aktiviert werden.

Eine gestörte zentrale visuelle Wahrnehmung

Die zentrale visuelle Wahrnehmung ist indes als Ursache geringer einzuschätzen. Die Annahme, dass Legastheniker Probleme haben ihre Augen zu bewegen, wurde widerlegt. Allerdings weisen sowohl die nervliche Steuerung der Augenbewegungen als auch die mit der visuellen Wahrnehmung verbunden Wahrnehmung von Räumen Defizite auf.

Störungen des Gedächtnisses und des Lernens

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Legasthenie auf neurobiologische Funktionsstörungen zurückgeführt werden kann. Sowohl bei der Speicherung von Lauten als auch bei der von Wörtern wurde bei legasthenischen Kindern eine Speicherschwäche festgestellt, die jedoch nicht bei nichtsprachlichem Material auftritt wie beispielsweise beim Speichern Bildern.

Soziale und emotionale Begebenheiten gelten nicht als Ursachen für eine Legasthenie, allerdings sind sie an der Intensität und Ausprägung der Entwicklungsstörung beteiligt.