Wann kann man eine Legasthenie vermuten?

Eine Legasthenie kann erst, wenn das Kind bereits in der Schule ist sicher festgestellt werden, da erst dann der Beurteilungsbereich der Symptomatik vorhanden ist.

Allerdings gibt es bereits im Vorschulalter Verdachtsmomente, und durch einfache Testverfahren ist es möglich, bei Vorschulkindern Defizite in den Sinneswahrnehmungen der Optik, Akustik und Raumorientierung festzustellen.
Diese sind dafür verantwortlich, dass das Erlernen des Schreibens, des Lesens und des Rechnens ohne Schwierigkeiten erfolgen kann.

Besonders Einschränkungen in der Lautwahrnehmung können zu Problemen führen.
Eine recht gute Vorhersage erlaubt das standardisierte Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibfähigkeit BISC.
Es kann am Ende des letzten Kindergartenjahres eingesetzt werden.

Wenn mehrere der unten aufgeführten Anzeichen beim Kind im Vorschulalter zu verzeichnen sind, liegt der Verdacht auf eine Legasthenie nahe.

Ein Anzeichen allein reicht natürlich nicht aus, und auch wenn mehrere Punkte zutreffen, muss das Kind selbstverständlich getestet werden, um eine Diagnose stellen zu können.
Nicht alle Kinder, die im Vorschulalter einige der unten aufgeführten Anzeichen zeigen, leiden später an einer Legasthenie!

  • Auch in Vorgenerationen ist Legasthenie aufgetreten
  • Das Denken findet schneller als das Handeln statt auffällig „gute“ und „schlechte“ Tage
  • keine, robbende oder verkürzte Krabbelphase
  • verspätetes Gehen, schlechte Körperkoordination
  • Hilfsschritte beim Treppensteigen
  • fällt über Dinge, die nicht da sind
  • kann oben/ unten oder rechts/ links nicht unterscheiden
  • Schwierigkeiten beim Umgang mit Messer und Gabel
  • Schwierigkeiten im Umgang mit der Schere
  • Koordinationsschwierigkeiten beim Malen, malt über den Rand
  • Schwierigkeiten beim Erlernen des Radfahrens oder Schwimmens
  • kreiert eigene Wörter wie z.B. „Wasseral“ statt Mineralwasser
  • verspätetes Sprechen/ lispelt/ stottert/ stammelt
  • merkt sich Kinderreime und Lieder nicht gerne, zeigt andererseits eine hohe Merkfähigkeit
  • kann Rhythmen schlecht nachklopfen
  • lehnt Memory- oder Puzzelspiele ab
  • hat eine „eigene“ Ordnung
  • ist oft überhastet, oft extrem langsam
  • auffällig gutes Verständnis für technische Dinge
  • verwechselt Wörter für Richtungen – hinauf hinunter, innen- außen etc.
  •  hat eine hohe Auffassungsgabe.
  • zeigt hohe Geschicklichkeit mit technischem Spielzeug oder bei konstruktiven Tätigkeiten.

Durch gezielte Übungen im Vorschulalter kann aber verhindert werden, dass später eine ausgeprägte Legasthenie auftritt.