Jugendliche mit Legasthenie in der Ausbildung

Für Jugendliche mit Legasthenie stellt bereits das Schulzeugnis für die Bewerbung um eine Ausbildungsstelle eine Hürde dar. Entweder befindet sich im Zeugnis ein Vermerk, aus dem unter anderem hervorgeht, dass die Rechtschreibung aufgrund von Legasthenie nicht benotet wurde oder die Noten in Deutsch, Mathematik und in Fremdsprachen bewegen sich um die Note ausreichend oder schlechter.

Im Zeugnis nicht erwähnt werden darf übrigens die Gewährung von Nachteilsausgleichen.

Die nächste Hürde nach dem Schulabschluss erfolgreich meistern: Bewerbung um einen Ausbildungsplatz
Damit Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz von Jugendlichen mit Legasthenie nicht schon in der Bewerbungsphase scheitern, weil sie aufgrund der schlechteren Noten von vornherein aussortiert werden, ist es ratsam die jeweilige Personalabteilung oder den Personalverantwortlichen zu kontaktieren und um ein Gespräch zu bitten.

Außerdem gibt der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. ein Informationsblatt heraus, das der Bewerbung beigelegt werden kann. Das erklärt dem Arbeitgeber die besonderen Stärken von Legasthenikern, die durchaus erfolgreiche und mit gewinnbringenden Effekten für ein Unternehmen eingesetzt werden können.

Am Anfang steht eine offene Kommunikation
Wenn Jugendliche mit Legasthenie sich um einen Ausbildungsplatz bewerben, ist Offenheit gefragt. Denn es ist wichtig dem zukünftigen Arbeitgeber mitzuteilen, warum die Schulnoten in dem einen oder Fach nur ausreichend oder schlechter und keineswegs deckungsgleich sind mit den tatsächlichen Fähigkeiten, Stärken und Begabungen. Jugendliche mit Legasthenie haben bereits im Kindesalter und während der Schulzeit gelernt, mit diese Bereiche betreffenden Problemen umzugehen und Lösungen zu finden, sodass sie anders als andere Jugendliche über ein ganz anderes Konfliktlösungspotenzial verfügen. Das sind Stärken, die ein Unternehmen durchaus gewinnbringend für sich einsetzen kann.

Oftmals sind selbst Ausbilder zunächst überfordert, wenn Jugendliche ihnen mitteilen, eine Lese-Rechtschreib-Störung zu haben. Deshalb sind Aufklärung und eine offene Kommunikation so wichtig, um erst gar keine Missverständnisse aufkeimen zu lassen.

Der Nachteilsausgleich in der Berufsschule und Berufsfachschule
Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Förderrichtlinien für Jugendliche mit Legasthenie in Berufsschulen. Ebenso wie in der Schule und im Studium gibt es auch an Berufsschulen und Berufsfachschulen die Möglichkeit durch die Lese-Rechtschreib-Störung aufkommende Defizite durch entsprechende Nachteilsausgleiche zu korrigieren, beispielsweise durch mehr Zeit für die Bearbeitung von Aufgaben oder den Einsatz technischer Hilfsmittel wie Computer.

Dies gilt gleichermaßen für den Nachteilsausgleich in der Berufsabschlussprüfung, der bei dem Prüfungsausschuss beantragt werden muss, der für die Abnahme der Abschlussprüfung am Ende der Berufsschule zuständig ist, und durch den nicht die Inhalte der Prüfung, sondern die Begleitumstände entsprechend angepasst werden können.