Primäre und sekundäre Verhaltensauffälligkeiten

Zu einer Dyskalkulie gehören auch Verhaltensauffälligkeiten, die primär und sekundär auftreten können.

So sind im Zusammenhang mit einer Rechenstörung diese auffälligen Verhaltensweisen zu beobachten, die als primär eingestuft werden:

  • Vermeidungsstrategien und Strategien der Angstbewältigung, durch die das Kind versucht unangenehme Situationen, die angstauslösend sind, zu vermeiden.
  • Der Lerngegenstand Mathematik tritt weiter in den Hintergrund
  • Starker Motivationsabfall
  • Scheinbare Konzentrationsstörungen
  • Arbeitsverweigerung
  • Antriebsschwäche
  • Abkapseln von der Umwelt
  • Reduzierung der sozialen Kontakte
  • Verdichtung des negativen Selbstbildes
  • Kompensierung des negativen Selbstbildes und der schlechten Beurteilung durch die Umwelt durch Unterrichtsstörungen wie aggressives Verhalten oder Herumkaspern, um auf diese Weise doch noch Anerkennung zu erfahren
  • Distanz von der eigenen Person durch Rollenspiele

Diese primären Verhaltensauffälligkeiten gipfeln in sekundären Verhaltensweisen, die das Kind in eine immer größere Bedrängnis und in einen Teufelskreis führen.

Als sekundär sind diese Verhaltensweisen anzusehen:

  • Wird die Dyskalkulie nicht erkannt oder ignoriert, kann nach einer langen Periode von Misserfolgen, im Fach Mathematik, ein allgemeines Schulversagen auftreten.
  • Aus der bisher nur auf den mathematischen Bereich begrenzten Lernstörung, wird sich eine allgemeine Lernstörung entwickeln.
  • Begleitet werden diese Verhaltensauffälligkeiten von psychosomatischen Beschwerden

Primäre Beschwerden sind unter anderem Kopf- oder Bauchschmerzen, die als Vermeidungsstrategien instrumentalisiert werden, während sekundäre Beschwerden den immer größer werdenden Leidensdruck des Kindes bis hin zu einer bleibenden psychischen Behinderung manifestieren können.

Ein Kind mit einer Rechenstörung ist jahrelangen Frustrationen ausgesetzt – eine dauerhafte Stresssituation, der auch Erwachsene nicht standhalten können.

Tatsächlich sind etwa ein Drittel der Überweisungen in Sonderschulen und Förderschulen, auf eine nicht erkannte Rechenstörung zurückzuführen!