Junge Erwachsene mit Dyskalkulie und der Weg durch ein Studium

Wer es mit Legasthenie und/oder Dyskalkulie bis zum Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung geschafft hat, dem gebührt allergrößter Respekt!

Es wird davon ausgegangen, dass zwischen ein bis zwei Prozent der Studenten in Deutschland von einer Lese-Rechtschreib-Störung und/oder Rechenschwäche betroffen sind.

Es gibt also keinen Grund sich als Betroffener allein zu fühlen. Schließlich handelt es sich Dyskalkulie um Störungen, die mit dem Grad der Intelligenz in keinem Zusammenhang stehen, so dass Dyskalkulie betroffene Jugendliche oder junge Erwachsene wie andere Jugendliche auch über besondere Begabungen verfügen können.

Der Nachteilsausgleich an Universitäten
Leider sind Legasthenie und Dyskalkulie bei Lehrenden und Studenten oftmals noch ein Tabuthema. Davon sollte man sich jedoch als Betroffener nicht abschrecken lassen. Denn jedem von Dyskalkulie betroffenen Studierenden stehen individuelle Nachteilsausgleiche zu. Ziel der
Nachteilsausgleichsregelung ist, dass Studierenden mit Legasthenie und/oder Dyskalkulie ermöglicht wird, ein Studium unter angemessenen Bedingungen und Prüfungen unter Einhaltung der Chancengleichheit zu absolvieren.

Der Nachteilsausgleich ist deshalb keine Erleichterung im eigentlichen Sinne, sondern dient dem Ausgleich der Nachteile, die der Studierende infolge von Dyskalkulie gegenüber anderen Studenten hat.

Nachteilsausgleiche während des Studiums und in Prüfungssituationen
Je nach Universität stehen dem von Dyskalkulie Betroffenen Beratungseinrichtungen zur Verfügung, die wertvolle Hinweise für die Bewältigung des Studiums geben können. Mögliche Nachteilsausgleiche während des Studiums sind unter anderem spezielle PC-Arbeitsplätze beispielsweise in der Universitäts- oder Fachbereichsbibliothek, in denen aufgelesene Literatur, eine Sprachausgabe am PC oder auch die Umwandlung von Literatur in Audiodateien zur Verfügung stehen.

Der Nachteilsausgleich bei Prüfungen besteht unter anderem in einer zeitlichen Verlängerung bei der Bearbeitung von schriftlichen Prüfungen, im Einlegen von Ruhepausen oder in der Nutzung eines Computers sowie anderer technischer Hilfsmittel, die beispielsweise mit einer Rechtschreibprüfung und einer Rechenfunktion ausgestattet sind. Was sich für Studierende mit Dyskalkulie durch den Nachteilsausgleich ändert, sind die Begleitumstände, nicht jedoch die Inhalte der Prüfungen.

Die Antragstellung eines Nachteilsausgleichs
Der Antrag auf Nachteilsausgleich für universitäre Prüfungen wird beim zuständigen Prüfungsamt der jeweiligen Universität gestellt oder im Falle eines Staatsexamens beim Ministerium. Die Antragstellung erfolgt formlos und grundsätzlich schriftlich. Wichtig ist eine rechtzeitige Antragstellung unter Beilage eines fachärztlichen Attests, das die spezifischen Bedürfnisse erläutert und die konkreten Erfordernisse benennt. Nach Erhalt eines positiven Bescheids über die Bewilligung eines Nachteilsausgleichs während der Prüfung werden auch die in die Prüfung involvierten Prüfer informiert.

Fällt der Bescheid allerdings negativ aus und wird dem beantragten Nachteilsausgleich nicht entsprochen, besteht die Möglichkeit, gegen den ergangenen Bescheid ein Widerspruchsverfahren einzuleiten.