Dyskalkulie bei Erwachsenen – durch Leidensdruck zum Therapieerfolg

Wird eine Dyskalkulie bei einem Kind nicht als solche erkannt und nicht behandelt, beginnt ein langer Leidensweg. Der kann jedoch auch noch im Erwachsenenalter beendet werden, denn auch Erwachsene können noch rechnen lernen. Ebenso wie die Legasthenie ist auch die Dyskalkulie
keineswegs ein Zeichen für mangelnde Intelligenz, sondern eine Lernstörung. Auch sie wächst sich nicht von allein aus, sondern bedarf einer individuellen Therapie, mit der die Dyskalkulie erfolgreich behoben werden kann.

Erwachsene mit Dyskalkulie – Probleme in alltäglichen Situationen
Konkretes Zahlenmaterial für Erwachsene mit Dyskalkulie gibt es nicht. Doch viele Betroffene versuchen ihr Problem zu verschweigen und zu verbergen, was mit einem enormen Kraftaufwand einhergeht. Die Dyskalkulie verursacht erhebliche Probleme in der Ausbildung und im Berufsleben
ebenso wie im Alltag. Schier unlösbare Aufgaben sind das Rechnen mit Zahlen bis hundert, Bruchrechnen, das Rechnung mit negativen Zahlen oder gar Dreisätze.

Daraus resultieren weitere Probleme in Alltagssituationen, beispielsweise beim Umgang mit Geld, beim groben Überschlagen von Geldbeträgen oder wenn es darum geht Entfernungen abzuschätzen. Diese problematischen Alltagssituationen führen dazu, dass betroffene Erwachsene Ausweichstrategien entwickeln, was wiederum zu zahlreichen Stresssituationen führt, zu sozialen Ängsten und Minderwertigkeitsgefühlen.

Wachsender Leidensdruck zwingt (hoffentlich!) zum Handeln
Wer als Erwachsener auffallende Fehlleistungen beim Rechnen hat, sollte sich auf eine Rechenschwäche untersuchen lassen. Ebenso wie bei Kindern und Jugendlichen hat eine individualisierte Lerntherapie, die sich an eine individuelle Förderdiagnostik anschließt, unter fachkundiger Betreuung gute Erfolgsaussichten. Ausgangspunkt der Therapie ist das Erlernen der Grundrechenarten sowie die Entwicklung von Fertigkeiten im Umgang mit Zahlen und Mengen. Ist diese erste Hürde genommen, sinkt auch die Angst vor größeren Rechenoperationen. Ganz entscheidend ist
der Wille zum Erfolg bei den betroffenen Erwachsenen, der jedoch aufgrund der bisherigen negativen Erfahrungen und dem stetig wachsenden Leidensdruck durch Stresssituationen meist eine enorme Schubkraft hat. Problematischer ist die grundlegende Entscheidung für Diagnostik und Therapie, da viele von Dyskalkulie betroffene Erwachsene eher selten Hilfe bei Experten suchen, was allerdings die Lebensqualität erheblich reduziert.